Eine explorative Analyse der Zusammenarbeit zwischen Veterinärämtern und Staatsanwaltschaften bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz

Abstract The aim of the study was to identify potential problems in the prosecution of breaches of animal protection legislation and to derive suggestions for improvement. The starting point for the investigation was a concern expressed by official veterinarians, that especially with respect to farm animals, clear violations of the Animal Protection Act are not viewed as such by the judicial authorities (prosecutors, courts) and are thus not prosecuted accordingly under criminal law. As no statistical data is available to confirm or dismiss the veterinarian’s statement, two focus group discussions were conducted with official veterinarians and public prosecutors from the federal states of Hesse, North Rhine-Westphalia and Lower Saxony. In the two groups, a number of problems connected with the prosecution of violations against animal protection laws concerning farm animals were stated concurrently: • the high number of suspensions of proceedings, • very long lawsuits and • the low levels of penalties.The following factors were stated as decisive for the rejection of proceedings by the public prosecutors and judges: • little interest in and commitment to animal welfare • a lack of understanding of the needs and the sense of pain of animals, • low levels of knowledge of specific animal-protection laws, • under-staffing of public prosecutors and judges which lead to overwork and • inadequate staffing of the veterinary offices, which result in deficiencies in reports and documentation. Additionally, the discussion with the public prosecutors highlighted the difficulty to prove that husbandry in breach of animal protection legislation is the consequence of an intentional act. The options for improvement mentioned in the group discussions aim at an intensified exchange of information between veterinary services and judicial authorities and to knowledge development for public prosecutors and judges. Establishing specialised prosecutors and judges was considered helpful in order to build up and use specific knowledge. Higher levels of penalties, and the possibility to sanction negligence offenses, were additional proposals to achieve better infringements of the Animal Protection Law in Germany.///////////////////////////////////Zusammenfassung Ziel der explorativen Untersuchung war es, mögliche Probleme in der Verfolgung von Verstößen gegen Tierschutzgesetze im Nutztierbereich zu identifizieren und Verbesserungsvorschläge zu sammeln. Der Ausgangspunkt für die Studie war die Aussage von Amtstierärzten, dass eindeutige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz von den Justizbehörden (Staatsanwaltschaften, Gerichten) nicht als solche gesehen und entsprechend nicht strafrechtlich verfolgt würden. Da keine Sekundärdaten vorliegen, anhand derer die Aussagen der Veterinäre überprüft werden können, wurden zwei Gruppendiskussionen mit Amtstierärzten und Staatsanwälten aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen durchgeführt. In den beiden Diskussionsgruppen wurde übereinstimmend eine Reihe von Problemen im Zusammenhang mit der Verfolgung von strafrechtlich relevanten Verstößen gegen Tierschutzgesetze genannt. Beispiele sind die vielen Einstellungen von Tierschutzverfahren, die hohe Anzahl sehr langer Verfahren und die geringen Strafmaße.Als Gründe für die Ablehnung von Verfahren durch die Staatsanwaltschaften und Richter wurden einvernehmlich von beiden Diskussionsgruppen folgende Punkte aufgeführt: • Staatsanwälte und Richter, die wenig Engagement für und Interesse am Tierschutz haben, • geringe Fachkenntnisse der Staatsanwälte und Richter (sowohl hinsichtlich spezifischer Tierschutzgesetze als auch der Bedürfnisse und dem Schmerzempfinden von Tieren) und • die schlechte personelle Ausstattung der Staatsanwaltschaften und Richter (Arbeitsüberlastung) sowie der Veterinärämter (Mängel in Gutachten und Dokumentation). Die vorgeschlagenen Verbesserungsansätze zielen auf einen verbesserten Informationsaustausch zwischen Veterinärämtern und Justiz sowie auf den Wissensaufbau bei den Juristen ab (Kenntnisse bspw. von komplizierten EU-Verordnungen aber auch über Bedürfnisse und Schmerzempfindung bei Tieren). Eine Konzentration der Tierschutzstraffälle auf Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften und Schwerpunkt-Richter wurde als hilfreich angesehen, um solche Kompetenzen aufbauen und nutzen zu können. Eine Positionierung der Tierschutzgesetze aus dem Nebenstrafrecht in das Strafgesetzbuch, eine Erhöhung des Strafrahmens sowie eine Strafbarmachung von Fahrlässigkeitsdelikten waren weitere Vorschläge, um eine bessere Ahndung von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz zu erreichen


Issue Date:
2015-07
Publication Type:
Working or Discussion Paper
DOI and Other Identifiers:
DOI:10.3220/WP1438000456000 urn:nbn:de:gbv:253-201507-dn055459-1 (Other)
PURL Identifier:
http://purl.umn.edu/208370
Total Pages:
58
JEL Codes:
Q10; Q50; K14; K49
Series Statement:
Thünen Working Paper
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 Record created 2017-04-01, last modified 2017-04-26

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